Was denkst du, was in einem Club der Toastmasters geübt wird? Reden? Fast.

Toastmasters International ist eine Non-Profit Organisation zur Förderung der Kunst des öffentlichen Redens, der effektiven Kommunikation und Menschenführung. Reden, das machen wir alle.

Auch meine Nachbarin; vor allem dusseliges Zeug. Warum würde ich sie nicht als Rhetorikmeisterin bezeichnen? Vielleicht weil es keine Kunst ist, was sie von sich gibt?

Rhetorik ist die Kunst des Redens.

Das Wort „Kunst“ beinhaltet hier zwei Dinge:

  1. Talent, das was uns mit in die Wiege gelegt wurde (oder eben nicht). Sei es die Vorliebe für Wortspielerei, eine mehr als magnetische Ausstrahlung oder der Hang vereinnahmender Mimik und Gestik.
  2. Den Fakt, dass die 10.000-Stunden-Regel unerbitterlich zuschlägt, wie die Wohnungstür, an welcher der Schlüssel noch von innen steckt.

1993 formuliert der Psychologe Anders Ericsson mit seinen Kollegen Ralf Krampe und Clemens Tesch-Römer dieses Prinzip. Sie erklärt, warum manche Menschen erfolgreich sind und andere den Wohnungstürschlüssel immer nur innen stecken haben. Erfolgreiche Menschen sind so erfolgreich in dem was sie tun, weil sie das, was sie tun sehr oft und regelmäßig wiederholt haben.

Die Volksweisheit „Übung macht den Meister“ findet hier ihr Fundament.

Kommen wir zurück zur Rhetorik.

Meine Nachbarin hat das Talent selbstlose Menschen zu vereinnahmen. Im Reden ist sie über das Meisterlevel schon hinaus. Sie kann ohne Punkt, Komma und Leerzeichen reden.

Damit erfüllt sie eigentlich alle Voraussetzungen, um die Kunst der Rede zu beherrschen, oder? Die Rethorik ist zu komplex, um sie mit schnödem „öffentlichen Reden“ und einem innewohnenden Publikumsmagnetismus zu beherrschen. Rhetorik umfasst Sprachgefühl, Stimme, Körpersprache, Bühnenpräsenz, Publikumskontakt und analytische Fähigkeiten.

Um eine Rede öffentlich erfolgreich vorzutragen, bedarf es 6 Schritten:

  1. Themenfindung und Eingrenzung (Redzeit 5-7 min!) – Kreativität
  2. interessante Stoffsammlung (Fakten, Zahlen, Zitate, Anekdoten usw.) – Recherche, analytische Fähigkeiten
  3. Gliederung (roter Faden mit klarer Redeabsicht) – Blick für Struktur
  4. Formulierungsgeschick (das geschriebene Wort entspricht nicht dem gesprochenen Wort) – Sprachgefühl
  5. Einprägung (das Sprechenüben der Rede) – Methoden zum Einprägen lernen, Kombination von Reden, Stimm- und Körpereinsatz; Reflektionsvermögen
  6. dem eigentlichen Redevortrag vor dem Publikum – Präsenz, Publikumskontakt

Diese 6 Schritte erfordern unterschiedliche Fähigkeiten, die geübt werden müssen, um das Level des Meisters zu erreichen. Öffentliche Redner wie Barack Obama, John F. Kennedy oder Ghandi haben Ihre Reden nicht mal eben fix, wie einen Einkaufszettel, notiert. Um erfolgreich zu sein, haben Sie einfach 10.000 Stunden geübt – Fakten sammeln, Strukturieren, Formulieren, sich selbst  im Spiegel wahrnehmen.

Die Wirkung Ihrer Wortwahl, Stimme, Körpersprache, ihrer Person auf der Bühne aus der Sicht des Publikums erahnen.

Rhetorik ist die Kunst des öffentlichen Redens, der effektiven Kommunikation und und Menschenführung.

Wie Kommunikation und Menschenführung funktionieren, werde ich euch in einem anderen Artikel erläutern. Das Gute ist: Rhetorik kann jeder durch Übung lernen. Bei den Toastmasters macht Übung nicht nur Meister, sondern vor allem Spaß. 🙂